Der Drachenkampf als Symbol der menschlichen Persönlichkeitsentwicklung


An dem Schema der Heldenmythen kann man idealiter die menschliche Persönlichkeitsentwicklung ablesen.

Die Libido (die auf Entwicklung gerichtete psychische Energie) ist nach C.G. Jung dargestellt in den sog. "Heldenmythen", wobei der Heros die nach der Mutter strebende Infantilpersönlichkeit verkörpert. Der Held geht, ähnlich wie die Sonne, wieder in seine Mutter ein, um von ihr wiedergeboren zu werden. Die Mythen von Helden illustrieren aber auch den Konflikt der "Befreiung von der Mutter".


Dieser Befreiungswunsch ist mit dem Symbol des "Drachenkampfes" dargestellt, dem Kampf mit einem Ungeheuer. Der mythische Held (=das Ich-Bewusstsein) ist um die Ablösung der Libido von der Mutterimago bemüht. Das ist ausgedrückt im Bild des "Kampfes mit dem Drachen". Der Drachenkampf bezeichnet die Auseinandersetzung mit verdrängten Sehnsüchten nach der Mutter, das Zurückholen der Libido aus ihrer inzestuösen Bindung an die Mutter, wodurch ein neues Leben möglich ist.
Inzest bezeichnet bei Jung anders als bei Freud die rückwärts gerichtete psychische Energie, die in die Kindheit zurückstrebt. Ist der Drachenkampf geschlagen und das verschlingende Untier getötet, so ist der mythische "Schatz" gefunden, das Leben mit der Möglichkeit der Transformation der Libido auf andere Objekte. Das Motiv der Tötung und Opferung in den Heldenmythen deutet Jung als "Tötung und Opferung" infantiler Wünsche und als Ausdruck eines Reifeprozesses.


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